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AMOK AN UNI HEIDELBERG ++ TÄTER RICHTET SICH SELBST Was passierte in Hörsaal INF 360?

Studenten hatte gerade eine Bio-Vorlesung, als der Täter in den Raum stürmte

Heidelberg – Senffarbene Lehnen, hochgeklappte Sitzbänke, ein paar Arbeitsunterlagen, elektrisches Licht. Auf den ersten Blick ein leerer Hörsaal der Uni Heidelberg. Doch hier ist am Montagnachmittag Grauenvolles geschehen. Ein 18-jähriger Mannheimer Biologie-Student schoss auf die Studenten – er verletzte drei von ihnen (19/20/20) und tötete eine Frau (23) per Kopfschuss. Danach hat sich der junge Deutsche vor dem Gebäude umgebracht.

BILD zeigt den Blick in den Tatort. Es handelt sich dabei um den Hörsaal INF 360 („Zentrum für organismische Studien“). Er befindet sich im Erdgeschoss, bietet Platz für 172 Studenten, ist 183 Quadratmeter groß.

Am Montagabend waren noch lange Ermittler am Tatort, um Spuren zu sichern, den Tathergang zu rekonstruieren, etwa die Tatortgruppe des baden-württembergischen Landeskriminalamts.

Insgesamt waren mehr als 400 Polizeibeamte im Einsatz, darunter das Mobile Kommando und das Spezialeinsatzkommando des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen, das Kriminaltechnische Institut des Landeskriminalamtes in Stuttgart.

Auch am Dienstagmorgen ist das Gebäude noch geschlossen, Absperrband im Inneren zu sehen. Draußen vor den Gewächshäusern haben Trauernde Blumen und Kerzen abgelegt.

Rückblick: Der Amok-Schütze hatte laut Polizei gegen 12.30 Uhr in einem Hörsaal, in dem rund 30 Studenten waren, mehre Schüsse abgefeuert und sich danach vor dem Gebäude umgebracht. Eine 19- und 20-jährige Frau sowie ein 20-jähriger Mann wurden durch die Schüsse leicht verletzt, eine 23-Jährige starb an den Folgen eines Kopfschusses.

Nach Angaben der Ermittler hatte der Täter kurz vor dem Amoklauf seinem Vater eine WhatsApp-Nachricht geschickt – „dass Leute jetzt bestraft werden müssen“. Die Polizei durchleuchtet nun sein Umfeld „mit Hochdruck“.

Laut Andreas Herrgen, Leiter der Staatsanwaltschaft Heidelberg, ist über das Motiv nichts bekannt, der Täter war nicht vorbestraft. Die Ermittler müssten auch prüfen, ob sich andere strafrechtlich etwas haben zuschulden kommen lassen. Bekannt sei nur, dass „lange zurückliegend“ eine psychische Erkrankung vorgelegen habe.

Der 18-Jährige hatte neben Kaufbelegen für zwei Waffen mehr als 100 Schuss Munition in seinem Rucksack. Noch steht auch nicht fest, woher genau der 18-Jährige die Waffen hatte. Bekannt ist nur, dass der Mannheimer Student sie vor wenigen Tagen im Ausland gekauft hat.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Heidelberg wurde die Wohnung des 18-Jährigen in Mannheim und weitere Räume bei seinen Eltern durchsucht. Dabei wurde digitales Equipment sichergestellt.

Ermittlungsgruppe „Botanik“

Die Polizei will mit einer Ermittlungsgruppe die Hintergründe des Amoklaufs an der Heidelberger Universität aufklären. Dafür wurde die Ermittlungsgruppe namens „Botanik“ mit 32 Personen gegründet, gab Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (61, CDU) bekannt. Warum der Name? Das Uni-Gebäude grenzt an den botanischen Garten.

Depressiv? Hier bekommen Sie umgehend Hilfe

BILD berichtet in der Regel nicht über Selbsttötungen, um keinen Anreiz für Nachahmung zu geben – außer, Suizide erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.

Wenn Sie selbst depressiv sind, Selbstmord-Gedanken haben, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge.

Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

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